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Die DAZ schreibt zur Ausstellung ‘Zeichnungen & Skizzen’:
(…) Die Skizzen und Zeichnungen von Christine Metz wirken teils wie unfertige Studien, deren Fertigkeit einen fast zu Ende gedachten Gedanken freilegen, und sie sind teils detailreiche Meisterwerke, die das Ungeheuerliche und Beunruhigende hinter der Idylle anführen. Wer sich auf die Schwarz-Weiß-Piktogramme einlässt, geht auf Entdeckungsreise in die Vergänglichkeit, wird Besucher und Zeuge einer Schöpfung, die die Ewigkeit als Illusion enttarnt. (…)
Weder die Fotografie noch der Film und am wenigsten die realistische Malerei waren in ihrer Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte mehr als auf „die Wirklichkeit verweisende Zeichen“, um es mit Umberto Eco zu sagen, sondern Zeichen, die wegen ihrer realistischen Abbildungsartistik von Semiotikern als „Kurzschlusszeichen“ bezeichnet werden. Metz weiß das natürlich, deshalb spielt sie mit der Illusion des Rezipienten, der sich beim Betrachten von realistischen Abbildungen seit vielen tausend Jahren einbildet, nachträglich an einem authentischen Moment teil zu haben. Das ist die Illusion der “realistischen Kunst”.

DAZ 8. April 2018

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Skizzen & Notizen

Der Skizzenblock ist meine Kamera; nur sind die Belichtungszeiten etwas länger.
Langsam wandert der Stift über das Papier. Parallel dazu spinnen sich die Gedanken. Die Landschaft vor mir erneuert sich jede Minute. Schatten und Licht wechseln im Flug, der Wind schüttelt Büsche und Bäume, Wolken treiben über den Himmel; das einzig Beständige ist die Bewegung. Alles passiert wie in Zeitlupe, aber die Zeichnung braucht ebenso lange, um das zu registrieren. Und während ich dachte, daß ich die Langsamkeit entdecke, war es die Schnelligkeit: doch war es nicht meine eigene.
Jeder Ort ist zu jedem Zeitpunkt einmalig. Die Zeichnung setzt Details zusammen, wie sie sich jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt in dieser Form präsentieren. Die Herangehensweise ist erratisch, die Umsetzung progressiv.
Eine fotografische Ablichtung würde das Sichtbare in einem Ereignis-Zeitraum von 1/100 Sekunden zusammenfassen; ein singulärer Akt, der den Anschein des Stillstands dokumentiert.
Das Skizzenblatt hingegen mutiert zu einer alchemistischen Kochplatte. Die Formen werden aufbereitet und eingekocht; es wird vereinfacht, gestreckt, abgekürzt, stilisiert, weggelassen oder neu dazu erfunden. Sogar Schummeln ist erlaubt. Das kann eine Kamera nun doch nicht bieten.

Christine Metz, Aus dem Katalogheft zur Ausstellung ‘Zeichnungen & Skizzen’, BBK-Galerie Augsburg 2018